Ringvorlesung: Instrumentalisierung von Volksmusik (Feldkirch)

erstellt am 07.01.2026
Volksliedwerk

Kollektiver Hitlergruß anlässlich der Großkundgebung der NSDAP (zugleich Erntedankfeier) am Residenzplatz, 3. Oktober 1943 inklusive einer Singgruppe des Salzburger Heimatwerkes in Tracht. Bildarchiv Salzburger Volkskultur, BA-FSVK-05-09.

Als Teil der "Ringvorlesung Musikwissenschaft" an der Stella Privathochschule für Musik in Feldkirch/Vorarlberg sprach Archivleiter Dr. Wolfgang Dreier-Andres am 7. Jänner 2026 über Instrumentalisierung von Volksmusik vor, während und nach der NS-Zeit am Beispiel Salzburg.

Die Gestaltung der abendlichen Vorlesungseinheit erfolgte auf Einladung der an der Stella Privathochschule für Musik 2023 eingerichteten Professur für Musikwissenschaft (Prof. Dr. Hendrik Schulze).  

Abstract zur Vorlesung: 

Spätestens in den 20er-Jahren des 20. Jahrhunderts wurde aus der ursprünglich belletristisch gedachten Volksliedsammlung der Romantik bitterer Ernst. Allein das „echte deutsche Volkslied“ sei es wert, gesammelt zu werden, befand der Leiter des Österreichischen Volksliedunternehmens, Dr. Josef Pommer (1845-1918). Er war hauptverantwortlich für die deutsch-völkische Verengung und Vereinnahmung der österreichischen Volksliedsammlung. Während der NS-Zeit war es vor allem Salzburgs Gauleiter Gustav Adolf Scheel (1907–1979), der die (musikalische) Volkskultur für seine Zwecke instrumentalisierte. Im Salzburg der Nachkriegszeit positionierte sich die Volkskultur in NS-Diktion gegen „Volksfremdes“, „Überfremdung“ und „Negertänze“. Die Protagonisten jener Zeit waren durchwegs ehemalige Nationalsozialisten, die dank der gescheiterten Entnazifizierungsbestrebungen der amerikanischen Besatzer und des beginnenden Kalten Krieges bald wieder einflussreiche Positionen bekleiden durften.

Die Vorlesung zeichnet die Chronologie dieser Instrumentalisierungsgeschichte der Volksmusik am Beispiel Salzburgs nach, weist aber auch auf parallele Entwicklungen im damaligen „Reichsgau Tirol-Vorarlberg“ hin. Herausgearbeitet wird insbesondere auch der Wandel von der funktionalen Volksmusik hin zur Darbietungsmusik mit entsprechender Bühnenkleidung (= Tracht), der einer Instrumentalisierung von Volksmusik durch die Nationalsozialisten besonders entgegenkam, schuf er doch Präsentationsformen, die sich für die Inszenierung einer „arteigenen Bauernkultur“ im Rahmen von NSDAP-Großkundgebungen perfekt eigneten.

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